Tattoos sind toll, aber…

Foto: Waldschik

Würfel und Asse sind klassische „Spieler“-Motive.                                        Foto: Waldschik

 

Drum prüfe, wer sich ewig bindet, ob er nicht was bess’res findet!

Keine Angst, in meinem heutigen Blog wird es nicht darum gehen, wie man am besten seinen Partner ext. Davon hat kürzlich ja schon meine liebe Kollegin Anne Zegelman in ihrem Freaky-Frankfurt-Blog berichtet – mit ganz arg Kopf zerbrechen und so. Wie Frauen so sind – Gefühlsdusel halt. Bei mir geht’s um etwas viel männlicheres: Ums tätowieren lassen.

Auch wenn ich schon zweimal tätowiert wurde: Mir gefallen Tattoos und ich hätte nichts gegen ein neues unter meiner Haut. Um das richtige Motiv zu finden habe ich in den vergangenen Monaten deshalb stundenlang im Zeitungsladen am Wiesbadener Bahnhof gestanden und die unzähligen Tattoo-Zeitschriften durchgewälzt. Damit ich genug Zeit dafür habe, bin ich extra einen Bus früher hingefahren.

Zeit? Da war doch was. Verflixt. Mein Zug. Ich schleudere das Magazin zurück ins Regal. Das halbnackte Mädchen auf dem Titel ist geknickt. Schnell raus aus dem Laden, rechts, kurz geradeaus, dann links zu Gleis 8. Ich komme zu spät. Von weitem erkenne ich Rückleuchten und Aufschrift des orange-weißen Stadtexpress‘ nach Frankfurt, die sich in der Ferne zu einem hämisch grinsenden Gesicht verformt haben.

Ja, solche Situationen hat es tatsächlich gegeben. Bis Körperstelle und Motive irgendwann klar waren: Eine Taschenuhr, Spielkarten, Würfel, Sterne und ganz viel Blumengeschnörkel sollten künftig meinen kompletten Oberarm innen und außen verzieren. Die Zeiger auf dem Ziffernblatt zeigen die Geburtsdaten meiner Eltern, Herz- und Karo-Ass stehen für meine beiden Brüder, die Augen der Würfel zeigen meine Glückszahl 21. Alles also sehr persönlich. Der stolze Preis: Zwischen 500 und 600 Euro.

Am vergangenen Donnerstag wäre es soweit gewesen. Alles war schon in trockenen Tüchern: Eine kleine Anzahlung hatte ich geleistet, die Motive für mein Halbarm-Tattoo standen soweit fest und mit der Redaktion war vereinbart, dass ich eine Reportage darüber schreibe, wie es war.

Mein Tätowierer schickte mir Mittwochabends wie vereinbart die Skizzen, die er wenige Stunden später mit seiner Maschine auf meinem Arm nachziehen wollte. Ich war begeistert. Aber auch verunsichert: Passen die Motive zu mir? Die Würfel, die Karten? Motive, die ja eigentlich „Player“-Typen charakterisieren. Ich, ein Spieler?

Um 11 Uhr sollte ich zum Stechen antanzen. Sollte! Ich musste mir nämlich eingestehen: Ich bin kein Spieler – und gehe im Gegensatz zu früher sogar noch seltener Risiken ein. Sie wollen ein Beispiel? Bevor ich ein Urlaubshotel buche muss ich sämtliche Bewertungen lesen, weshalb ich am Ende des Tages so verunsichert bin, dass ich gar nicht weiß, für welches ich mich entscheiden soll. Aus Angst, das falsche Hotel zu buchen, ist der ein oder andere Urlaub dann auch schon mal ins Wasser gefallen.

Die Frage „Soll ich oder soll ich nicht“ habe ich mir bei meinem Tattoo-Wunsch ganz offensichtlich auch einmal zu oft gestellt. Denn mit dem Motiv meiner Wahl gehe ich schließlich so etwa wie den Bund fürs Leben ein. Da kann man(n) dann schon auch mal kalte Füße bekommen. Ein Thema, von dem meine Liebe Kollegin Anne Zegelman hoffentlich selbst nie berichten muss…

(Daniel Waldschik, FNP-Blog vom 27.Oktober 2013)

 

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Bis dahin, Euer Daniel Waldschik

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